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2. Demenzkranke leben oft in einer fremden Welt. Wie verhalte ich mich, wenn meine Mutter an Demenz erkrankt ist?

2. Demenzkranke leben oft in einer fremden Welt. Wie verhalte ich mich, wenn meine Mutter an Demenz erkrankt ist?

Gerade für Sie als Angehörige ist es schmerzlich zu sehen, wenn ihre Mutter an einer Demenz erkrankt und nach und nach die Fähigkeit verliert, die Anforderungen ihres gewöhnlichen Alltags allein zu bewältigen. Unterhaltungen und Gespräche mit ihr werden zunehmend schwieriger und ihre Mutter entwickelt auf einmal Verhaltensweisen, die Sie früher nie an ihr beobachtet haben. Sie vernachlässigt ihre Körperpflege, die Übersicht im Haushalt geht ihr mehr und mehr verloren. Ihre Stimmung unterliegt auf einmal großen Schwankungen: An manchen Tagen ist ihre Mutter gut gelaunt und freundlich, an anderen Tagen ist sie jedoch aggressiv Ihnen gegenüber.

Was ist dann zu tun? Wie soll man sich verhalten?

Vorab sollten Sie einige grundlegende Dinge über Demenzerkrankungen wissen:

Demenz ist eine Erkrankung, die durch Beeinträchtigung des Gedächtnisses und des Denkvermögens sowie durch weitere Warnsignale auffällig wird. Die Erkrankung darf keineswegs mit dem normalen Alterungsprozess gleichgesetzt werden, daher sollten Sie sich im Zweifel nicht zufrieden geben mit Aussagen wie: Mit 80 Jahren ist das normal, da kann man sowieso nichts machen.

Bei Verdacht auf eine Demenz muss die Diagnose immer durch einen Facharzt gestellt werden. Denn es geht nicht nur darum, ob überhaupt eine Demenz vorliegt, es gibt auch verschiedene Formen der Demenz. Eine Demenzerkrankung ist zwar nach heutigem Stand der Medizin nicht heilbar, jedoch lässt sich der Krankheitsverlauf hinauszögern und positiv beeinflussen. Dazu muss der Arzt aber wissen, um welche Form der Demenz es sich handelt. Eine klare Diagnose wird auch Ihnen als Pflegeperson anschließend einen verständnisvolleren Umgang mit der Erkrankten ermöglichen. Denn durch eine Diagnose lassen sich manche Ihnen bisher unerklärlichen und kränkenden Verhaltensweisen ihrer Mutter als Folge der Erkrankung verstehen, auch im Nachhinein. Auf der Basis der Diagnose können Sie sich von erfahrenen Fachleuten zum Umgang mit ihrer erkrankten Mutter beraten lassen sowie Informationen zu Entlastungsangeboten für die tägliche Betreuung einholen.

Wie kann sich die Demenz auswirken?

Menschen, die an einer Demenz erkrankt sind, nehmen durchaus im Anfangsstadium den beginnenden Krankheitsprozess an sich selbst wahr. Das macht ihnen Angst und kann sowohl zum Rückzug oder aber auch zu ungewohnt forderndem Verhalten führen. Es kann einerseits noch viele gute Tage geben, die an frühere Zeiten erinnern und an denen die Erkrankung kaum wahrzunehmen ist. Andererseits wird Ihre Mutter Sie an manchen Tagen vielleicht gar nicht mehr wieder erkennen und Sie wissen nicht, wie Sie sich dann ihrer Mutter gegenüber verhalten sollen. Es gibt leider keine allgemeine Regel, wie man mit demenzerkrankten Menschen umgehen sollte. Denn so wie jeder Mensch anders ist, ist auch jeder Krankheitsverlauf anders. Was auf eine Demenzerkrankte beruhigend wirken kann, kann bei einer anderen Erkrankten das Gegenteil bewirken und sogar Auslöser für Unruhe werden. Am besten handeln Sie daher nach dem Prinzip "Versuch und Irrtum", um herauszufinden, mit welchen Umgangsweisen Sie und die Erkrankte am besten zurechtkommen. Grundsätzlich gilt: Wichtig ist immer, dass Sie ihre Mutter nicht auf ihre Mängel und Schwächen "stoßen". Wenn Sie z.B. bemerken, dass ihre Mutter verständnis- und hilflos die Zahnbürste in der Hand hält und nicht weiß, was sie damit tun soll: Dann ist es richtig, das Zähneputzen vorzumachen, anstatt ihre Mutter ungeduldig und gleichsam "erzieherisch" an den richtigen Gebrauch der Zahnbürste zu erinnern. Und grundsätzlich gilt ein weiteres: Versuchen Sie, geduldig zu sein. Das wird nicht immer gelingen, aber seien Sie gerade dann auch geduldig mit sich selbst. Verzeihen Sie auch sich selbst Ihre eigenen schlechten Tage. Sie sind kein Übermensch.

Menschen mit Demenz nehmen die Realität oft anders wahr. Sie können zum Beispiel in einem Schatten, der durch einen Gegenstand geworfen wird, etwas Beängstigendes wahrnehmen, z.B. ein Tier. Versuchen Sie dann nicht, ihrer Mutter diese Wahrnehmung auszureden, es wird nur ihre Verunsicherung steigern oder sie sogar wütend machen. Denn für ihre Mutter ist ihre Wahrnehmung die Wirklichkeit, ihre Angst deshalb in dem Moment real. Es bringt nichts, ihr diese ausreden zu wollen. Versuchen Sie lieber, ihre Mutter dann abzulenken. Nehmen Sie sie am Arm, führen Sie sie sanft in einen anderen Raum. Richten Sie ihr Interesse auf etwas anderes. So kann Sie sich beruhigen.

Besonders schmerzlich wird es für Sie als Angehörige sein, wenn ihre Mutter Sie nicht mehr erkennt und Sie vielleicht sogar auffordert, ihre Wohnung zu verlassen. Solche Verhaltensweisen hängen mit früheren Erinnerungen zusammen und Ihre Mutter lebt womöglich gerade in einer Erinnerungswelt, in der Sie noch ein kleines Kind sind, das man aus dem Zimmer schicken kann und darf. Aber, ist man allein und auf sich selbst gestellt, ist es oft schwer, sich die mögliche Ursache des Verhaltens der Mutter zu erklären. Im Gespräch mit Fachleuten von gerontopsychiatrischen Beratungsstellen oder der Alzheimer-Gesellschaft ist es jedoch nicht selten möglich, das Verhalten zu verstehen und gemeinsam Wege zu finden, mit dem schwierigen Verhalten und den Ängsten der Erkrankten umzugehen lernen. Auch entlasten solche Gespräche und Kontakte, weil sie die Möglichkeit bieten, die eigenen Sorgen, Probleme und Nöte anzusprechen und loszuwerden.

Dennoch: Die Begleitung und Pflege einer demenzkranken Angehörigen ist immer sehr schwierig und aufreibend. Sie werden häufig Situationen erleben, in denen Sie mit ihren Nerven am Ende sind. Versuchen Sie dann nicht, allein mit ihren Sorgen fertig zu werden. Suchen Sie sich dann bewusst Entlastung durch Gespräche mit der Familie, Freunden, anderen pflegenden Angehörigen oder Fachleuten: geteiltes Leid ist halbes Leid.

Weitere Informationen finden Sie unter

www.demenz-service-nrw.de oder bei der

Pflegeberatungsstelle.

Kontakt

Gasselstiege 13
48159 Münster
Tel.: 02 51/2 70 51 67
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